Kleine Heimtiere (z.B. Kaninchen, Meerschweinchen) und Nager (z.B. Ratten, Mäuse) werden heute viel
häufiger als früher in der Sprechstunde vorgestellt. Immer wieder benötigen auch diese kleinen Tiere
einen chirurgischen Eingriff. Die Angst der Tierbesitzer wegen des Narkoserisikos ist in diesen
Fällen meist sehr groß. Dies ist nicht ganz unberechtigt, da solche Tiere oft viel empfindlicher
auf die Narkose reagieren als z.B. Hunde oder Katzen. Wenn man aber die speziellen medizinischen
Bedürfnisse von kleinen Heimtieren und Nagern berücksichtigt, sind auch bei diesen Tierarten
Narkosezwischenfälle sehr selten geworden.
Ratte IsaIsa hat einen Gesäugetumor. Diese Tumoren sind zwar bei Ratten meist gutartig, sollten aber entfernt
werden, weil sie sehr groß werden können und das Tier behindern. Dieser Eingriff kann mit einer
reinen Gasnarkose durchgeführt werden, die besonders schonend ist und auch für ein älteres Tier
wie Isa kein erhöhtes Risiko bedeutet.
Vor der Operation bekommt Isa Flüssigkeit unter die Haut, ein Schmerzmittel und Medikamente gegen
Sekretbildung in den Bronchien und zur Schockvermeidung.
Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen
sind, wird Isa in eine Narkosekammer gesetzt. Durch das Narkosegas schläft sie nach einigen
Minuten soweit, dass wir nun die Narkose über eine Maske weiterführen können. Während der
weiteren Operation muss Isa auf einer Wärmematte liegen, denn Unterkühlung ist ein häufiger Grund
für Komplikationen. Bestimmte Reflexe und die Atmung werden regelmässig kontrolliert. Gäbe es hier
ein Problem, könnte Isa sofort mit reinem Sauerstoff beatmet werden.

Nach Schur und Desinfektion
des OP-Bereichs beginnt der eigentliche Eingriff. Wie zu erwarten, ist der Tumor gut abgegrenzt
und kann deshalb schnell entfernt werden. Für die abschließende Hautnaht wähle ich in Isas Fall eine
Intrakutannaht (Naht in den unteren Hautschichten) mit einem sehr feinen Faden. Bei dieser Naht
sind keine äußeren Fäden vorhanden, was den Vorteil hat, dass die Tiere die Naht nicht benagen und
wieder eröffnen. Schon wenige Minuten nach Absetzen des Narkosegases wird Isa wach. Sie kann in ihre
Box zurück und beginnt schon nach einer halben Stunde zu fressen.
Jetzt kann sie wieder nach Hause.
Wir bedanken uns bei der Familie Schmitt für die freundliche Erlaubnis,
Isa's Krankengeschichte veröffentlichen zu dürfen.